Multitools werden gerne mit möglichst hohen Zahlen beworben – 14-in-1, 18-in-1, manchmal mehr. Für die Praxis beim Camping ist diese Zahl aber wenig aussagekräftig. Entscheidend ist nicht, wie viele Funktionen ein Werkzeug hat, sondern ob genau die Werkzeuge dabei sind, die du unterwegs tatsächlich benutzt – und ob sie gut verarbeitet sind.
Welche Werkzeuge beim Camping wirklich gebraucht werden
- Zange: Eine der vielseitigsten Funktionen beim Camping – ob zum Greifen heißer Töpfe, für Reparaturen an der Ausrüstung oder als Ersatz für fehlendes Werkzeug am Fahrzeug.
- Messer: Zum Schneiden von Kordeln, Essen zubereiten oder als generelles Universalwerkzeug vielseitig einsetzbar. Wichtiger als die Klingenform ist hier eine gute Schärfe, die sich auch nachschleifen lässt.
- Schraubendreher: Für den Aufbau und die Reparatur von Zelt, Campingmöbeln oder Fahrrad sind mindestens ein Kreuz- und ein Schlitz-Schraubendreher sinnvoll.
- Schere: Praktisch für Verbandsmaterial, Verpackungen oder Angelschnur – eine Funktion, die im Alltag öfter gebraucht wird, als man vorher denkt.
- Säge: Für kleinere Äste oder Feuerholz nützlich, aber nur, wenn die Sägeblätter im Multitool tatsächlich lang und stabil genug sind. Sehr kurze, dünne Sägeblätter in Multitools sind oft eher symbolisch als wirklich einsatzfähig.
- Dosenöffner: Bei Camping-Verpflegung aus der Dose kann ein integrierter Dosenöffner praktisch sein und ein zusätzliches Einzelwerkzeug ersparen – zwingend notwendig ist er aber nur, wenn du tatsächlich regelmäßig Dosenkost dabeihast.
Warum mehr Funktionen nicht automatisch besser sind
Zusätzliche Funktionen können mehr bewegliche Teile, mehr Gewicht und oft auch mehr Kompromisse bei der Qualität der einzelnen Werkzeuge bedeuten. Ein Multitool mit 20 Funktionen, bei dem Zange und Messer schlecht verarbeitet sind, ist im Alltag weniger wert als ein Modell mit acht Funktionen, die alle solide funktionieren. Bevor du auf die Gesamtzahl schaust, lohnt sich die Frage: Welche der beworbenen Funktionen würde ich in den letzten Camping-Trips überhaupt genutzt haben?
Gewicht und Packmaß
Ein Multitool wandert meist in die Hosentasche, den Gürtel oder ein Seitenfach – Gewicht und Größe wirken sich hier direkt auf den Trage-Komfort aus. Wer das Tool ohnehin ständig dabei hat, profitiert von einer kompakten, leichten Bauform mehr als von zusätzlichen Funktionen, die selten zum Einsatz kommen.
Ergonomie: worauf es beim Griff ankommt
Ein gut geformter Griff ohne scharfe Kanten macht sich vor allem bei längerem oder kräftigem Einsatz bemerkbar, etwa beim festen Zudrücken der Zange. Prüfe, ob sich die Griffschalen angenehm in der Hand anfühlen und ob sich die einzelnen Werkzeuge auch mit kalten oder leicht feuchten Händen sicher ausklappen lassen.
Werkzeugqualität statt Funktionsliste
Der Werkstoff und die Verarbeitung entscheiden darüber, wie lange ein Multitool hält und wie gut es sich nutzen lässt. Korrosionsbeständige Materialien sind im Outdoor-Einsatz mit Feuchtigkeit vorteilhaft, wobei sich die konkreten Eigenschaften je nach Werkstoff und Verarbeitung unterscheiden. Achte zusätzlich darauf, ob sich die Klinge nachschärfen lässt und ob die Gelenke fest und ohne Spiel schließen – das sagt oft mehr über die Langlebigkeit aus als die reine Anzahl der Funktionen.
Hinweis zu Messerklingen
Bei Multitools mit Messerklingen kann in Deutschland die konkrete Bauart für die rechtliche Einordnung relevant sein, etwa im Hinblick auf das Mitführen im öffentlichen Raum. Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung – vor dem Mitführen eines bestimmten Modells sollte die aktuelle Rechtslage für dieses konkrete Modell eigenständig geprüft werden.
Vertiefende Ratgeber
Wenn du speziell nach einem möglichst kleinen Werkzeug suchst, ordnet Mini-Multitool fürs Camping: Wie klein darf Werkzeug sinnvoll sein? die Kompromisse der Miniaturisierung ein. Wer eher preisbewusst kauft, findet Kriterien in Multitool unter 50 Euro: Worauf du bei günstigen Modellen achten solltest.
Für wen eignet sich welches Multitool?
Wer hauptsächlich campt und gelegentlich kleine Reparaturen erledigt, ist mit einem kompakten Modell gut bedient, das Zange, Messer, Schraubendreher und Dosenöffner solide abdeckt. Wer regelmäßiger im Gelände unterwegs ist und öfter Feuerholz oder Äste bearbeitet, sollte gezielt auf eine wirklich nutzbare Säge achten – dafür aber bei selten gebrauchten Zusatzfunktionen eher Abstriche machen.