Kurz bevor es losgeht, hängen meistens noch mehrere Ladekabel gleichzeitig an der letzten verfügbaren Steckdose – Handy, Kopflampe, Powerbank, alles will noch mal vollgeladen werden. Ein USB-C-Mehrport-Ladegerät kann das vereinfachen, indem es mehrere Einzelnetzteile ersetzt. Wie viel Watt du dafür tatsächlich brauchst, hängt aber stark davon ab, welche Geräte du gleichzeitig laden willst – eine pauschale Watt-Zahl, die für jede Situation passt, gibt es nicht.

Gesamtleistung und wie sie sich verteilt

Ein Mehrport-Ladegerät hat eine maximale Gesamtleistung, die es insgesamt liefern kann. Diese Gesamtleistung wird – je nach Modell unterschiedlich – auf die aktiv genutzten Anschlüsse aufgeteilt. Das bedeutet: Wie viel Leistung ein einzelner Port tatsächlich liefert, hängt auch davon ab, wie viele andere Ports gerade gleichzeitig belegt sind. Diesen Mechanismus nennt man Power Sharing.

Beispielhafte Bedarfssituationen

Wie viel Gesamtleistung sinnvoll ist, hängt von der Gerätekombination ab. Ein paar typische Situationen zur Orientierung, ohne dass sich daraus eine feste Watt-Vorgabe ableiten lässt:

  • Smartphone + Kopflampe: Beide Geräte haben in der Regel einen vergleichsweise geringen Ladebedarf – hier steht meist genug Leistung zur Verfügung, auch wenn beide gleichzeitig laden.
  • Smartphone + Powerbank: Auch hier ist der gemeinsame Bedarf überschaubar, kann aber je nach Powerbank-Kapazität und gewünschter Ladegeschwindigkeit spürbar variieren.
  • Smartphone + Tablet: Ein Tablet zieht üblicherweise mehr Leistung als ein Smartphone – bei gleichzeitigem Laden sollte entsprechend mehr Gesamtleistung zur Verfügung stehen.
  • Notebook + Smartphone + Powerbank: Notebooks haben in der Regel den mit Abstand höchsten Leistungsbedarf der drei Gerätetypen. Werden alle drei gleichzeitig geladen, ist die verfügbare Gesamtleistung des Ladegeräts hier am ehesten der limitierende Faktor.

Maximale Leistung je Port

Zusätzlich zur Gesamtleistung geben Hersteller häufig auch eine maximale Leistung pro einzelnem Port an. Dieser Wert gilt in der Regel nur, wenn ausschließlich dieser eine Port genutzt wird – sobald weitere Ports gleichzeitig aktiv sind, greift das oben beschriebene Power Sharing, und die tatsächlich verfügbare Leistung je Port kann sinken.

USB Power Delivery (PD) und PPS

USB Power Delivery ist der Standard, über den Ladegerät und Endgerät aushandeln, mit welcher Spannung und Stromstärke geladen wird. PPS (Programmable Power Supply) ist eine Erweiterung von PD, die eine feinere, dynamischere Abstimmung zwischen Ladegerät und Gerät erlaubt – relevant ist das vor allem bei Geräten, die eine solche feinere Steuerung explizit unterstützen. Ob PPS für ein bestimmtes Gerät sinnvoll ist, hängt vom jeweiligen Endgerät ab und sollte bei Bedarf anhand der Hersteller-Angaben des Geräts geprüft werden.

Warum ein 100-W-Ladegerät nicht automatisch jedes Gerät mit 100 W lädt

Die auf dem Ladegerät angegebene Wattzahl ist ein Maximalwert, keine Garantie. Wie viel Leistung tatsächlich fließt, handeln Ladegerät und Endgerät bei jedem Ladevorgang gemeinsam aus – das Endgerät fordert nur so viel Leistung an, wie es selbst verarbeiten kann und möchte. Ein Smartphone lädt deshalb an einem 100-W-Ladegerät nicht automatisch mit 100 W, sondern mit der Leistung, die für das jeweilige Smartphone vorgesehen ist – oft deutlich weniger.

Passendes USB-C-Kabel

Auch das Kabel spielt eine Rolle: Nicht jedes USB-C-Kabel ist für jede Leistung ausgelegt. Für höhere Ladeleistungen ist ein Kabel nötig, das diese Leistung auch tatsächlich unterstützt und entsprechend gekennzeichnet ist. Ein für geringere Leistungen ausgelegtes Kabel kann die Ladegeschwindigkeit unabhängig vom Ladegerät begrenzen.

GaN sachlich eingeordnet

GaN (Galliumnitrid) ist eine Halbleitertechnologie, die im Vergleich zu klassischen Silizium-Bauteilen kompaktere Ladegeräte bei vergleichsweise hoher Leistung ermöglichen kann. Das macht GaN-Ladegeräte für unterwegs interessant, weil sie bei gleicher Leistung oft kleiner und leichter ausfallen als ältere Bauformen. Nicht korrekt ist dagegen die pauschale Aussage, GaN-Geräte würden grundsätzlich kaum warm – wie stark sich ein Ladegerät erwärmt, hängt von der tatsächlichen Last, der Umgebungstemperatur und der jeweiligen Bauweise ab, nicht allein von der verwendeten Halbleitertechnologie.

Für wen eignet sich das?

Für alle, die mehrere Geräte besitzen und unterwegs nicht mit einem Kabelsalat aus Einzelladegeräten hantieren wollen – ob im Rucksack, im Van oder einfach als Ersatz für die überfüllte Steckdosenleiste zu Hause. Welche Gesamtleistung dabei sinnvoll ist, hängt von der eigenen Gerätekombination ab und lässt sich am besten anhand der oben genannten Kriterien statt einer pauschalen Watt-Zahl einschätzen.

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