Eigentlich dachten wir, beim Thema mobiles Internet seien wir für unseren Familienurlaub an der französischen Atlantikküste gut vorbereitet. Jeder hatte sein Smartphone dabei, Datenroaming war aktiviert und die Mobilfunkverträge enthielten ausreichend Datenvolumen.
Zumindest dachten wir das.
Bei den Verträgen unserer Kinder waren jeweils 20 GB Datenvolumen enthalten. Erst im Urlaub stellten wir fest, dass bei ihren konkreten Tarifen für die Auslandsnutzung nur 9 GB angezeigt wurden.
Das war für uns überraschend.
Gleichzeitig hatten wir noch ein zweites Problem: Obwohl die Smartphones Empfang anzeigten, funktionierten die mobilen Daten teilweise kaum. Erst nachdem wir die automatische Netzwahl deaktiviert und andere französische Mobilfunknetze ausprobiert hatten, wurde die Verbindung besser.
Damit stellten sich plötzlich gleich mehrere Fragen: Wie viel Datenvolumen steht im Ausland tatsächlich zur Verfügung? Was kann man machen, wenn es nicht reicht? Lohnt sich eine lokale Prepaid-Karte? Kann man eine eSIM einfach online kaufen? Braucht man als Camper vielleicht einen eigenen 5G-Router? Und wann ist sogar Starlink eine sinnvolle Alternative?
Wir haben uns die verschiedenen Möglichkeiten genauer angesehen.
Schritt 1: Den eigenen Mobilfunktarif genauer prüfen
Innerhalb der Europäischen Union ist der deutsche Mobilfunktarif normalerweise die erste und einfachste Lösung.
Durch die europäischen Roamingregeln kann ein deutscher Mobilfunktarif grundsätzlich auch in anderen EU-Ländern genutzt werden. Das betrifft typische Campingziele wie Frankreich, Italien, Spanien, Niederlande, Österreich, Kroatien oder Portugal. Auch Island, Liechtenstein und Norwegen sind in das entsprechende europäische Roam-like-at-home-System einbezogen.
Trotzdem würden wir heute vor einer Reise genauer in unseren Vertrag schauen. Denn eine Sache haben wir aus unserem Frankreichurlaub gelernt: Die große GB-Zahl auf dem eigenen Tarif ist nicht die einzige Zahl, die man kennen sollte.
Unsere Überraschung: 20 GB waren bei uns im Ausland plötzlich 9 GB
Bei unseren Kindern waren jeweils 20 GB Datenvolumen gebucht. Für mich war zunächst selbstverständlich: Wenn EU-Roaming enthalten ist, können diese 20 GB auch im Frankreichurlaub verwendet werden.
Bei der genaueren Kontrolle wurde bei unseren konkreten Verträgen für die Auslandsnutzung allerdings nur ein verfügbares Volumen von 9 GB angezeigt. Damit hatten wir nicht gerechnet.
Das soll ausdrücklich keine Kritik am Mobilfunkanbieter sein. Tarife, Tarifgenerationen und Bedingungen unterscheiden sich. Unsere konkrete Erfahrung lässt sich deshalb nicht auf andere Verträge übertragen.
Sie hat uns aber auf einen wichtigen Punkt aufmerksam gemacht: Vor der Reise sollte man nicht nur prüfen, wie viel Datenvolumen der Tarif grundsätzlich enthält, sondern welche Bedingungen für den eigenen Tarif im konkreten Reiseland gelten.
Interessant ist außerdem, was nach Verbrauch dieses Volumens passiert:
- Wird die Geschwindigkeit reduziert?
- Kann zusätzliches Datenvolumen gebucht werden?
- Was kosten weitere 5 oder 10 GB?
- Gibt es eine Fair-Use-Grenze?
- Ist 5G enthalten?
Diese Fragen würde ich inzwischen vor der Abfahrt klären und nicht erst auf dem Campingplatz.
Besonders bei Kindern kann das Datenvolumen schnell verschwinden
9 GB können für WhatsApp, Navigation und gelegentliches Surfen durchaus reichen. Bei YouTube, TikTok, Instagram oder Streaming sieht es anders aus.
Auch Dinge, an die man zunächst gar nicht denkt, können Daten verbrauchen:
- App-Updates
- Cloud-Backups von Fotos und Videos
- automatische Downloads
- Spieleupdates
- Videotelefonie
- Musikstreaming
- Video und Social Media
Wer mit mehreren Kindern unterwegs ist, kann deshalb wesentlich mehr Daten verbrauchen als erwartet.
Wir würden heute vor der Reise auf den Smartphones kontrollieren, welche Apps mobile Daten verwenden dürfen. Größere Updates und Cloud-Backups würden wir möglichst auf WLAN beschränken.
Genügend Datenvolumen, aber trotzdem kein Internet?
Auch das haben wir in Frankreich erlebt.
Die Smartphones waren mit einem französischen Mobilfunknetz verbunden. Empfang wurde angezeigt. Trotzdem waren die mobilen Daten teilweise extrem langsam oder praktisch nicht nutzbar.
Bei uns half es, die automatische Netzwahl auszuschalten und einen anderen verfügbaren französischen Netzbetreiber auszuprobieren. Bei einigen Geräten brachte zusätzlich die Einstellung auf 4G eine stabilere Verbindung.
Bevor wir also zusätzliches Datenvolumen oder eine neue SIM kaufen, würden wir heute zuerst prüfen:
- Datenroaming aktiviert?
- Anderes verfügbares Mobilfunknetz ausprobiert?
- Bei instabiler Verbindung testweise 4G statt automatischer 5G-Auswahl verwendet?
Wie das auf iPhone, Samsung und anderen Android-Smartphones funktioniert, erklären wir ausführlich in unserem separaten Ratgeber zu Problemen mit mobilen Daten im Ausland.
Was aber, wenn das Datenvolumen wirklich nicht reicht?
Dann wird es interessant. Denn man muss heute nicht mehr zwangsläufig in einen Mobilfunkladen im Urlaubsland gehen. Es gibt mehrere Alternativen:
- lokale Prepaid-SIM
- lokale eSIM
- internationale Reise-eSIM
- Smartphone-Hotspot
- mobiler 4G- oder 5G-Router
- Campingplatz-WLAN
- Satelliteninternet über Starlink
Welche Variante sinnvoll ist, hängt davon ab, wie lange man unterwegs ist und wie viel Internet die Familie benötigt.
Lokale Prepaid-SIM: viel Datenvolumen für relativ wenig Geld
Eine klassische Möglichkeit ist die Prepaid-SIM eines Mobilfunkanbieters im Urlaubsland. Dabei wird man direkt Kunde eines französischen, italienischen oder spanischen Mobilfunkanbieters und nutzt dessen Netz. Gerade bei hohem Datenverbrauch können solche Angebote interessant sein.
Frankreich
In Frankreich gibt es unter anderem die Netze von Orange, SFR, Bouygues Telecom und Free.
Free bietet beispielsweise aktuell einen Monatstarif mit sehr großem Datenvolumen an. Auch Bouygues Telecom hat spezielle Angebote für Reisende.
Für Camper kann eine lokale französische SIM gleich aus zwei Gründen interessant sein: Erstens bekommt man möglicherweise wesentlich mehr Datenvolumen. Zweitens nutzt man damit ein bestimmtes französisches Mobilfunknetz direkt. Das kann relevant sein, wenn das Roaming über das automatisch gewählte Netz am Campingplatz schlecht funktioniert. Genau diese Unterschiede zwischen den Netzen haben wir bei unserem eigenen Aufenthalt erlebt.
Italien
Auch in Italien gibt es spezielle Angebote für Urlauber, ein Beispiel ist TIM Tourist. Aktuell werden dabei 200 GB 5G für 30 Tage angeboten. Der Tarif kostet 14,99 Euro, zusätzlich fallen laut TIM 10 Euro für die SIM-Karte an.
Interessant ist dabei ein Detail, das gut zeigt, warum man Tarifbedingungen genauer lesen sollte: Die 200 GB gelten für die Nutzung in Italien. Für Roaming in anderen EU-Ländern weist TIM bei diesem Angebot ein wesentlich kleineres Datenvolumen aus. Wer mit dem Wohnmobil beispielsweise von Italien weiter nach Frankreich fährt, sollte deshalb nicht automatisch davon ausgehen, dass das komplette Datenpaket überall zur Verfügung steht.
Spanien
Spanien ist bei Prepaid-Daten besonders interessant. Vodafone Spanien bietet derzeit beispielsweise Prepaid-Pakete mit großen Datenmengen an. Die Angebote beginnen bei vergleichsweise niedrigen Preisen und sind teilweise direkt als eSIM erhältlich.
Für einen dreiwöchigen Spanienurlaub kann eine lokale Datenkarte deshalb wesentlich interessanter sein als das Nachbuchen mehrerer kleiner Datenpakete beim deutschen Anbieter. Auch hier gilt: nicht nur auf die beworbene GB-Zahl schauen. Entscheidend ist, wo dieses Datenvolumen gilt und welche Bedingungen nach Verbrauch greifen.
Niederlande
Bei einem Campingurlaub in den Niederlanden würde ich zunächst besonders genau rechnen. Da die Niederlande zum EU-Roaming gehören, reicht ein deutscher Tarif häufig vollkommen aus.
Lokale Prepaid-Angebote können trotzdem interessant sein, wenn sehr viel Datenvolumen benötigt wird. Ein Beispiel sind zeitlich begrenzte Unlimited-Datenpakete, wie sie unter anderem von niederländischen Anbietern angeboten werden. Für einen normalen Wochenendtrip würde ich dafür allerdings nicht unbedingt eine zusätzliche SIM kaufen.
Sonderfall Schweiz
Bei der Schweiz sieht die Sache anders aus. Die Schweiz gehört nicht zur Europäischen Union und ist nicht Teil der verpflichtenden EU-Roamingregelung. Einige deutsche Mobilfunkanbieter schließen die Schweiz freiwillig in bestimmte Tarife oder Optionen ein, andere nicht.
Deshalb würde ich vor der Einreise in die Schweiz unbedingt prüfen, welche Konditionen der eigene Vertrag vorsieht. Das kann sonst teuer werden.
Gerade für Camper gibt es hier aber interessante Alternativen: Schweizer eSIM statt deutschem Roaming. Swisscom bietet beispielsweise einen speziellen Prepaid-Tarif für Touristen an. Aktuell gibt es unter anderem Pakete für 7, 15 oder 30 Tage mit unbegrenztem mobilen Internet innerhalb der Schweiz.
Besonders praktisch: Der Tarif kann als eSIM bereits vor der Reise online gekauft werden. Man muss also nicht erst nach der Grenze einen Mobilfunkladen suchen. Das ist aus unserer Sicht eine der interessantesten Entwicklungen beim mobilen Internet im Urlaub.
eSIM: für Urlauber fast ideal
Eine eSIM ist vereinfacht gesagt eine digitale SIM-Karte. Statt eine Plastikkarte ins Smartphone einzusetzen, wird ein digitales SIM-Profil installiert. Bei vielen aktuellen Smartphones funktioniert das zusätzlich zur vorhandenen deutschen SIM.
Damit kann beispielsweise folgende Konfiguration entstehen:
- Deutsche SIM: Telefonate, SMS und eigene Rufnummer
- Urlaubs-eSIM: mobile Daten
Das ist gerade auf Reisen praktisch. WhatsApp kann weiterhin mit der bisherigen Telefonnummer genutzt werden und gleichzeitig laufen die mobilen Daten über den Urlaubstarif.
eSIM schon auf dem Sofa installieren
Ein weiterer Vorteil ist die Vorbereitung. Bei vielen Angeboten kann man die eSIM bereits zu Hause kaufen und installieren. Je nach Anbieter wird sie beispielsweise über einen QR-Code oder direkt über eine App eingerichtet. Am Urlaubsort muss anschließend nur noch die richtige SIM für mobile Daten ausgewählt werden. Das ist deutlich komfortabler, als nach der Ankunft einen Mobilfunkladen zu suchen.
Aber Vorsicht bei der Aktivierung
Vor dem Kauf sollte man prüfen, wann die Laufzeit beginnt. Bei manchen Angeboten startet sie beim Kauf, bei anderen bei der Installation und bei wieder anderen erst bei der ersten Verbindung im Reiseland. Gerade wenn ein Paket nur 7 oder 15 Tage gültig ist, kann dieser Unterschied wichtig sein.
Lokale eSIM oder Reise-eSIM?
Hier sollte man unterscheiden. Eine lokale eSIM stammt beispielsweise direkt von einem französischen oder spanischen Mobilfunkanbieter. Daneben gibt es internationale Reise-eSIM- Anbieter, bei denen man Datenpakete für einzelne Länder oder ganz Europa kaufen kann.
Reise-eSIMs sind häufig besonders unkompliziert, dafür sind sie nicht automatisch die günstigste Variante. Wir würden deshalb vergleichen:
- Preis
- Datenvolumen
- Laufzeit
- 4G oder 5G
- welches Mobilfunknetz verwendet wird
- Hotspot beziehungsweise Tethering erlaubt
- Drosselung
- Länderabdeckung
Gerade für eine Wohnmobil-Rundreise durch Frankreich, Spanien und Portugal kann eine Europa-eSIM komfortabler sein als drei unterschiedliche lokale Karten. Wer dagegen drei Wochen auf demselben Campingplatz in Spanien bleibt, bekommt mit einem lokalen Tarif möglicherweise wesentlich mehr Daten für sein Geld.
Eine Datenkarte für die ganze Familie?
Das ist wahrscheinlich eine der einfachsten Möglichkeiten, Geld zu sparen. Statt vier zusätzliche SIM-Karten zu kaufen, kann ein Familienmitglied einen Tarif mit besonders viel Datenvolumen verwenden. Anschließend wird auf diesem Smartphone der persönliche Hotspot aktiviert. Die anderen Geräte verbinden sich per WLAN.
So können beispielsweise Smartphones, Tablets, ein Notebook, eine Spielekonsole oder andere WLAN-Geräte dieselbe mobile Datenverbindung nutzen.
Der Nachteil des Smartphone-Hotspots
Als Dauerlösung ist das nicht perfekt. Das Smartphone verbraucht dabei mehr Strom, kann warm werden und muss sich immer in der Nähe befinden. Für gelegentliches Streaming oder einen Abend am Campingplatz ist die Lösung aber sehr praktisch.
Mobiler 4G- oder 5G-Router: eigenes WLAN im Wohnmobil
Wer regelmäßig mit Wohnmobil oder Wohnwagen unterwegs ist, kann einen Schritt weitergehen. Statt die Daten-SIM ins Smartphone zu stecken, kommt sie in einen mobilen LTE- oder 5G-Router. Der Router verbindet sich mit dem Mobilfunknetz und erzeugt ein eigenes WLAN. Damit bekommt das Wohnmobil praktisch seinen eigenen Internetanschluss.
Das hat einige Vorteile:
- mehrere Geräte gleichzeitig
- kein Smartphone muss dauerhaft Hotspot spielen
- Notebook und Tablet verbinden sich automatisch
- eine zentrale Daten-SIM für die ganze Familie
- Router kann an einer Stelle mit gutem Empfang positioniert werden
Für Vielcamper ist diese Lösung besonders interessant.
Noch besser: Router mit externer Antenne
Bei einem Wohnmobil kommt noch ein weiterer Vorteil hinzu. Einige Mobilfunkrouter unterstützen externe Antennen. Eine geeignete Antenne kann beispielsweise außen am Fahrzeug beziehungsweise an einer günstigeren Position angebracht werden. Das kann helfen, wenn der Empfang innerhalb des Wohnmobils schlechter ist.
Dabei sollte man allerdings keine Wunder erwarten. Eine Antenne kann ein vorhandenes Mobilfunksignal besser nutzbar machen. Sie kann aber kein Mobilfunknetz erzeugen, wo überhaupt keines vorhanden ist.
Campingplatz-WLAN: kostenlos ist nicht automatisch gut
Natürlich gibt es noch die naheliegendste Lösung: das WLAN des Campingplatzes. Das kann hervorragend funktionieren, es kann aber auch frustrierend sein.
Typische Probleme sind:
- große Entfernung zum WLAN-Zugangspunkt
- viele gleichzeitig verbundene Gäste
- langsame Verbindung am Abend
- schlechter Empfang im Wohnmobil
- Anmeldung über eine Vorschaltseite
- begrenzte Anzahl von Geräten
Deshalb würden wir uns bei einem längeren Urlaub nicht ausschließlich darauf verlassen. Für große Downloads, Updates oder Backups kann ein gutes Campingplatz-WLAN aber sehr praktisch sein.
Und wenn Mobilfunk überhaupt nicht funktioniert? Starlink
Dann kommt die technisch völlig andere Lösung ins Spiel. Starlink verwendet kein klassisches Mobilfunknetz, die Internetverbindung wird über Satelliten hergestellt.
Für Camper ist insbesondere Starlink Roam interessant. Dafür benötigt man Starlink-Hardware und einen entsprechenden Tarif. Aktuell bietet Starlink in Deutschland unter anderem einen Roam-Tarif mit 100 GB sowie eine Unlimited-Variante an. Dazu kommt die einmalige Anschaffung der Hardware. Besonders interessant für Camper ist der kompakte Starlink Mini, bei dem die notwendige Technik einschließlich WLAN-Funktion kompakt integriert ist.
Wann würden wir Starlink überhaupt in Betracht ziehen?
Für einen normalen zweiwöchigen Familienurlaub in Frankreich eher nicht. Dafür sind EU-Roaming, eine lokale SIM oder eine eSIM normalerweise wesentlich einfacher.
Interessant wird Starlink aus unserer Sicht für Menschen, die:
- viele Wochen oder Monate im Jahr campen
- regelmäßig abgelegene Stellplätze nutzen
- unterwegs arbeiten müssen
- große Datenmengen benötigen
- mehrere Geräte versorgen
- häufig zwischen Ländern wechseln
Ein Freund von uns, der regelmäßig mit dem Camper in die Schweiz fährt, hat sich beispielsweise genau aus diesem Grund für Starlink entschieden. Für ihn war die Überlegung nicht nur, was ein einzelner Urlaub kostet. Er wollte eine eigene Internetlösung für seine regelmäßigen Reisen haben und weniger vom jeweiligen Mobilfunktarif abhängig sein. Das ist ein völlig anderes Nutzungsprofil als bei einer Familie, die zwei Wochen im Sommer nach Frankreich fährt.
Starlink hat beim Camping aber einen Haken
Satelliteninternet benötigt möglichst freie Sicht zum Himmel, und genau das kann auf Campingplätzen zum Problem werden. Der wunderschöne Stellplatz unter großen Bäumen kann für Starlink ungünstiger sein als ein freier Stellplatz.
Mobilfunk und Satelliteninternet haben deshalb unterschiedliche Stärken. Ein 5G-Router kann hervorragend funktionieren, wenn ein Mobilfunkmast erreichbar ist. Starlink kann dagegen interessant sein, wenn gerade kein brauchbares Mobilfunknetz vorhanden ist, dafür aber ausreichend freie Sicht zum Himmel besteht.
Was würden wir heute für einen Familienurlaub wählen?
Nach unseren Erfahrungen würden wir nicht sofort zusätzliche Technik kaufen. Unsere Reihenfolge wäre:
- Eigenen Vertrag prüfen – Nicht nur „Ich habe 20 GB”, sondern „Wie viel davon steht mir in meinem Reiseland tatsächlich zur Verfügung?” Zusätzlich prüfen wir, was nach Verbrauch des Datenvolumens passiert.
- Am Urlaubsort das vorhandene Roaming ausprobieren – Funktioniert es gut, besteht überhaupt kein Handlungsbedarf.
- Bei schlechtem Internet ein anderes Netz ausprobieren – Automatische Netzwahl deaktivieren und andere verfügbare Mobilfunknetze testen. Das hat bei unserem Frankreichurlaub einen erheblichen Unterschied gemacht.
- Bei instabiler Verbindung 4G ausprobieren – Bei unseren Geräten hat das teilweise geholfen. Das muss nicht bei jedem Tarif oder Smartphone so sein, ist aber einen Versuch wert.
- Zusätzliches Datenvolumen beim eigenen Anbieter prüfen – Vielleicht gibt es ein günstiges Zusatzpaket. Wenn 10 GB für wenige Euro nachgebucht werden können, braucht man keine weitere SIM.
- Lokale Prepaid-SIM oder eSIM vergleichen – Wenn wir 50, 100 oder 200 GB zusätzlich benötigen, würden wir lokale Angebote prüfen. Besonders komfortabel sind eSIM-Tarife, die bereits zu Hause eingerichtet werden können.
- Bei mehreren Personen einen Hotspot verwenden – Eine große Datenkarte kann unter Umständen für die ganze Familie reichen.
- Als regelmäßiger Camper über einen 4G- oder 5G-Router nachdenken – Damit bekommt das Wohnmobil ein eigenes WLAN.
- Starlink erst bei entsprechendem Nutzungsprofil – Für Vielcamper, abgelegene Stellplätze oder regelmäßiges mobiles Arbeiten kann Satelliteninternet interessant sein. Für den klassischen Sommerurlaub wäre es für uns eher die letzte Eskalationsstufe.
Welche Lösung passt zu welchem Urlaub?
| Situation | Was wir wählen würden |
|---|---|
| Zwei Wochen Frankreich mit ausreichend Daten | Deutscher Tarif mit EU-Roaming |
| Empfang vorhanden, Internet aber schlecht | Anderes Mobilfunknetz manuell testen |
| Tarif hat zu wenig Daten | Zusatzpaket oder eSIM |
| Drei Wochen nur in Spanien oder Italien | Lokale Prepaid-SIM oder eSIM vergleichen |
| Rundreise durch mehrere EU-Länder | Deutscher Tarif oder Europa-eSIM |
| Schweiz-Urlaub | Deutschen Tarif genau prüfen, sonst Schweizer SIM/eSIM |
| Familie mit mehreren Geräten | Große Daten-SIM plus Hotspot |
| Regelmäßiges Camping | Mobiler 4G-/5G-Router |
| Abgelegene Plätze | Mobilfunk und Starlink vergleichen |
| Regelmäßiges Arbeiten aus dem Camper | 5G-Router oder Starlink, möglichst mit Backup-Verbindung |
Häufige Fragen zu Internet im Campingurlaub
Warum war unser im Ausland verfügbares Datenvolumen kleiner als im Tarif angegeben?
Bei den Verträgen unserer Kinder waren jeweils 20 GB Datenvolumen gebucht, für die Auslandsnutzung wurden bei den konkreten Tarifen aber nur 9 GB angezeigt. Wie viel vom gebuchten Datenvolumen im EU-Ausland tatsächlich zur Verfügung steht, hängt vom jeweiligen Tarif und Anbieter ab und sollte vor der Reise geprüft werden, statt nur auf die insgesamt gebuchte GB-Zahl zu schauen.
Lohnt sich eine lokale Prepaid-SIM oder eSIM für den Campingurlaub?
Das hängt vom Reiseprofil ab. Bei einem längeren Aufenthalt in einem Land oder hohem Datenbedarf bieten lokale Angebote oft deutlich mehr Datenvolumen fürs Geld als das Nachbuchen beim deutschen Anbieter. Bei einer kurzen Reise mit ausreichendem EU-Roaming-Volumen ist eine zusätzliche SIM meist nicht nötig.
Brauche ich als Camper einen eigenen mobilen 4G/5G-Router?
Für einen einzelnen Familienurlaub reicht meist ein Smartphone-Hotspot. Für regelmäßiges Camping mit mehreren Geräten kann ein eigener Router mit zentraler Daten-SIM praktischer sein, da er ein eigenständiges WLAN im Wohnmobil erzeugt und nicht dauerhaft ein Smartphone als Hotspot beansprucht.
Wann lohnt sich Starlink beim Camping?
Für einen klassischen zweiwöchigen Familienurlaub in der EU ist Starlink aus unserer Sicht eher nicht notwendig, da EU-Roaming, eine lokale SIM oder eine eSIM in der Regel einfacher und günstiger sind. Interessant wird Starlink für Vielcamper, die regelmäßig abgelegene Stellplätze nutzen, unterwegs arbeiten oder größtenteils unabhängig vom jeweiligen Mobilfunknetz sein möchten. Satelliteninternet benötigt außerdem möglichst freie Sicht zum Himmel, was auf manchen Stellplätzen ein Nachteil gegenüber Mobilfunk sein kann.
Unser Fazit nach dem Frankreichurlaub
Vor unserem Urlaub hätten wir beim Thema mobiles Internet hauptsächlich auf zwei Dinge geschaut: Wie viel Datenvolumen habe ich, und habe ich im Ausland Empfang?
Heute würden wir wesentlich genauer hinschauen. Denn wir haben gleich mehrere Dinge gelernt: Ein Smartphone kann Empfang anzeigen und trotzdem eine miserable Datenverbindung haben. Das automatisch ausgewählte Mobilfunknetz muss nicht an jedem Standort die beste Verbindung liefern. Ein Tarif mit 20 GB sollte nicht dazu verleiten, die konkreten Roamingbedingungen des eigenen Vertrags ungeprüft vorauszusetzen.
Und wenn das vorhandene Datenvolumen tatsächlich nicht reicht, gibt es inzwischen wesentlich komfortablere Alternativen als früher. Besonders die eSIM hat das Reisen einfacher gemacht: Einen zusätzlichen Datentarif kann man bei geeigneten Angeboten schon zu Hause kaufen und auf dem Smartphone installieren. Für Familien kann ein großer Datentarif zusammen mit einem Hotspot reichen. Regelmäßige Camper können über einen eigenen 4G- oder 5G-Router nachdenken. Und wer weitgehend unabhängig vom Mobilfunknetz sein möchte, hat mit Starlink inzwischen sogar eine Satellitenlösung für unterwegs.
Unsere wichtigste Erkenntnis ist deshalb ziemlich simpel: Nicht erst auf dem Campingplatz anfangen, über das Internet nachzudenken. Vor der Abfahrt einmal den eigenen Tarif und die Roamingbedingungen prüfen, und wenn das nicht reicht, bereits wissen, welche Alternative man im Urlaub nutzen kann.
Dann wird aus „Wir haben schon wieder kein Internet” im besten Fall nur noch eine Sache von ein paar Minuten.
Hinweis: Dieser Beitrag beschreibt unsere eigene Erfahrung mit deutschen Mobilfunkverträgen beim Roaming in Frankreich sowie öffentlich verfügbare Angaben zu Prepaid-, eSIM- und Starlink-Angeboten. Tarife, Preise, Datenvolumen und Bedingungen ändern sich regelmäßig und sollten vor der Buchung direkt beim jeweiligen Anbieter geprüft werden.



