Das Smartphone zeigt Empfang an, Datenroaming ist eingeschaltet und trotzdem lädt keine Webseite? Genau dieses Problem hatten wir im Frankreich-Urlaub. Die überraschende Lösung: nicht das automatisch gewählte Mobilfunknetz verwenden, sondern einen anderen französischen Netzbetreiber manuell auswählen. Bei einem Teil unserer Smartphones half zusätzlich die Umstellung von 5G auf 4G.

Unser Problem im Frankreich-Urlaub

Eigentlich sollte mobiles Internet im EU-Ausland unkompliziert sein. Datenroaming einschalten, das Smartphone verbindet sich mit einem verfügbaren Netz und schon sollte es funktionieren.

Bei uns sah die Realität anders aus.

Wir waren als Familie an der französischen Atlantikküste unterwegs und hatten mehrere Smartphones mit unterschiedlichen deutschen Mobilfunkverträgen dabei. Auffällig war, dass sich mehrere Geräte automatisch mit dem französischen Orange-Netz verbanden.

Auf dem Display sah zunächst alles normal aus. Das Smartphone war im Mobilfunknetz eingebucht. Trotzdem waren die mobilen Daten bei uns teilweise extrem langsam oder praktisch nicht nutzbar.

Zunächst dachten wir an schlechten Empfang oder ein grundsätzliches Roamingproblem.

Die eigentliche Lösung fanden wir erst nach einigem Ausprobieren.

Die Lösung bei uns: Mobilfunknetz manuell auswählen

Statt das Smartphone automatisch entscheiden zu lassen, mit welchem französischen Netz es sich verbindet, haben wir die automatische Netzwahl ausgeschaltet.

Danach suchte das Smartphone nach allen Mobilfunknetzen in der Umgebung.

Das kann überraschend lange dauern. Bei unseren Geräten erschien die Liste nicht sofort. Man sollte dem Smartphone deshalb etwas Zeit geben und die Suche nicht nach wenigen Sekunden abbrechen.

Neben Orange wurden uns unter anderem SFR und Free angezeigt.

Wir probierten diese Netze nacheinander aus.

Und tatsächlich: Mit Free beziehungsweise SFR funktionierten die mobilen Daten bei uns deutlich besser.

Das bedeutet nicht, dass Orange grundsätzlich schlechter ist. Entscheidend sind der Standort, die lokale Netzauslastung, die Netzabdeckung und die Roamingvereinbarungen des eigenen deutschen Mobilfunkanbieters.

Unser wichtigstes Learning war deshalb:

Wenn Datenroaming im Ausland grundsätzlich funktioniert, die Datenverbindung aber extrem langsam oder unbrauchbar ist, lohnt sich die manuelle Auswahl eines anderen verfügbaren Mobilfunknetzes.

Automatisch bedeutet nicht unbedingt die beste Datenverbindung

Normalerweise übernimmt das Smartphone die Netzwahl selbst. Das ist bequem und in den meisten Fällen auch sinnvoll.

Beim Roaming bedeutet eine erfolgreiche Einbuchung in ein Netz aber nicht automatisch, dass dieses Netz an deinem konkreten Standort auch die beste Datenverbindung bietet.

Genau das war bei uns offenbar der Fall.

Das Smartphone war mit einem französischen Netz verbunden, aber mobiles Internet funktionierte kaum. Erst der Wechsel auf einen anderen verfügbaren Netzbetreiber brachte eine brauchbare Datenverbindung.

Deshalb lohnt sich bei Roamingproblemen ein Test mehrerer verfügbarer Netze.

Zweites Problem: 5G, 4G und der eigene Tarif

Bei den Smartphones unserer Kinder trat noch ein weiteres Problem auf.

Die Geräte verloren immer wieder ihre stabile Mobilfunkverbindung. Bei der Überprüfung des Mobilfunktarifs stellten wir fest, dass 5G dort nicht Bestandteil des Tarifs war.

Wir stellten deshalb den bevorzugten Netzmodus der Smartphones auf 4G beziehungsweise LTE um.

Danach blieb die Verbindung bei uns stabil.

Wichtig ist allerdings: Daraus lässt sich nicht sicher ableiten, dass die fehlende 5G-Freischaltung die Ursache der Abbrüche war. Smartphones können normalerweise zwischen verfügbaren Mobilfunkgenerationen wechseln.

Trotzdem ist die manuelle Beschränkung auf 4G ein sinnvoller Test, wenn es beim Roaming mit automatischer 5G-Auswahl zu Problemen kommt.

Unser Vorgehen war deshalb: anderes Mobilfunknetz testen → 4G bevorzugen → Verbindung erneut ausprobieren.

Bei uns hat genau diese Kombination funktioniert.

So gehst du bei Roamingproblemen vor

Bevor du den Netzbetreiber wechselst, solltest du zunächst die grundlegenden Einstellungen kontrollieren:

  1. Prüfe, ob mobile Daten aktiviert sind.
  2. Prüfe, ob Datenroaming aktiviert ist.
  3. Schalte für etwa 30 Sekunden den Flugmodus ein und anschließend wieder aus.
  4. Warte, bis sich das Smartphone erneut mit einem Mobilfunknetz verbunden hat.
  5. Funktionieren die mobilen Daten weiterhin nicht oder extrem schlecht, schalte die automatische Netzwahl aus.
  6. Warte, bis das Smartphone alle verfügbaren Mobilfunknetze gefunden hat.
  7. Probiere einen anderen Netzbetreiber aus.
  8. Teste anschließend, beispielsweise mit einer Webseite, Karten-App oder einem Geschwindigkeitstest, ob die Datenverbindung funktioniert.
  9. Bleibt die Verbindung instabil, teste zusätzlich 4G beziehungsweise LTE statt 5G.
  10. Funktioniert weiterhin nichts, prüfe deinen Mobilfunktarif und kontaktiere gegebenenfalls deinen Anbieter.

Nicht jedes angezeigte Mobilfunknetz lässt sich tatsächlich verwenden. Ob sich deine SIM dort einbuchen darf, hängt unter anderem von deinem Mobilfunkanbieter und dessen Roamingvereinbarungen ab.

iPhone: Mobilfunknetz im Ausland manuell auswählen

Die genaue Bezeichnung kann sich je nach iOS-Version und Mobilfunkanbieter unterscheiden.

Typischerweise findest du die Auswahl unter:

Einstellungen → Mobilfunk → SIM beziehungsweise verwendete Leitung → Netzauswahl

Dort: Automatisch ausschalten.

Anschließend sucht das iPhone nach verfügbaren Netzen. Das kann etwas dauern.

Danach kannst du einen der angezeigten Netzbetreiber auswählen.

In Frankreich können beispielsweise Orange, SFR, Free oder weitere Netze erscheinen. Welche davon tatsächlich für deinen Vertrag verfügbar sind, hängt von deinem Mobilfunkanbieter ab.

Beim iPhone testweise auf 4G/LTE wechseln

Je nach iPhone, Tarif und Anbieter findest du die Einstellung typischerweise unter:

Einstellungen → Mobilfunk → verwendete SIM → Datenoptionen → Sprache & Daten

Dort kannst du bei unterstützten Geräten beispielsweise zwischen 5G Automatisch, 5G Ein und LTE wählen.

Bei Verbindungsproblemen kann es sich lohnen, vorübergehend LTE beziehungsweise 4G auszuwählen.

Samsung Galaxy: Netzbetreiber manuell auswählen

Bei Samsung-Galaxy-Smartphones befindet sich die Einstellung typischerweise unter:

Einstellungen → Verbindungen → Mobile Netzwerke → Netzbetreiber

Dort kannst du die automatische Auswahl deaktivieren und nach verfügbaren Mobilfunknetzen suchen.

Für den Netzmodus findest du bei unterstützten Geräten zusätzlich:

Einstellungen → Verbindungen → Mobile Netzwerke → Netzmodus

Hier kannst du abhängig von Smartphone, SIM und Anbieter festlegen, welche Mobilfunkgenerationen verwendet werden sollen.

Die genaue Bezeichnung kann je nach Galaxy-Modell, Android-Version und Mobilfunkanbieter abweichen.

Xiaomi und andere Android-Smartphones

Bei Android unterscheiden sich die Menüs stärker zwischen den Herstellern.

Typische Bezeichnungen sind:

Einstellungen → SIM-Karten & mobile Netzwerke → SIM auswählen → Mobilfunknetze

oder

Einstellungen → Mobilfunknetz → Netzbetreiber

Suche dort nach Begriffen wie:

  • Netz automatisch auswählen
  • Netzbetreiber
  • Mobilfunknetz
  • Bevorzugter Netzwerktyp
  • 5G bevorzugen

Bei unserem Xiaomi gab es noch eine interessante Besonderheit: In der Netzliste wurde nicht nur der Anbieter angezeigt, sondern teilweise auch die Mobilfunkgeneration.

Die Liste konnte beispielsweise sinngemäß so aussehen:

  • Free 5G
  • Free 4G
  • Free 3G

Bei unseren iPhones und dem Samsung-Smartphone war das anders. Dort wurden im Wesentlichen nur die Namen der Netzbetreiber angezeigt.

Die Darstellung hängt vom Smartphone, der Softwareversion und den vom Mobilfunknetz bereitgestellten Informationen ab.

Warum funktioniert ein anderes Netz manchmal besser?

Eine schlechte Roamingverbindung bedeutet nicht automatisch schlechten Mobilfunkempfang. Mehrere Faktoren spielen zusammen:

  • Lokale Netzabdeckung: Ein Betreiber kann an deinem Urlaubsort deutlich besser ausgebaut sein als ein anderer.
  • Netzauslastung: Gerade in Ferienregionen können einzelne Mobilfunkzellen stark ausgelastet sein.
  • Roamingvereinbarungen: Dein deutscher Anbieter arbeitet im Ausland mit bestimmten Mobilfunknetzen zusammen.
  • Verfügbare Mobilfunkgeneration: 4G und 5G stehen nicht zwangsläufig überall gleich gut zur Verfügung.
  • Tarif: Welche Mobilfunktechnologie du nutzen kannst, hängt auch von deinem deutschen Tarif ab.
  • Smartphone: Nicht jedes Gerät verhält sich bei der Netzsuche und beim Wechsel zwischen verschiedenen Mobilfunkgenerationen identisch.

Deshalb kann es durchaus vorkommen, dass zwei Smartphones am selben Tisch völlig unterschiedliche Erfahrungen mit dem mobilen Internet machen.

EU-Roaming bedeutet nicht automatisch identische Geschwindigkeit

Innerhalb der EU gilt grundsätzlich das Prinzip „Roam like at home”. Ein deutscher Mobilfunktarif kann damit grundsätzlich auch in Frankreich ohne klassische Roamingaufschläge genutzt werden, sofern der Tarif EU-Roaming umfasst und keine besondere Ausnahme greift.

Auch bei der Qualität gibt es Regeln. Wenn dein Tarif zu Hause beispielsweise 4G umfasst, soll dir grundsätzlich auch beim EU-Roaming eine vergleichbare Mobilfunkgeneration zur Verfügung stehen, soweit dies technisch möglich ist.

Das bedeutet jedoch nicht, dass du im Urlaub exakt dieselbe Geschwindigkeit wie zu Hause erhältst. Lokale Netzabdeckung, Auslastung und technische Gegebenheiten können die tatsächliche Geschwindigkeit beeinflussen.

Wichtig ist außerdem: Enthält dein Tarif zu Hause nur 4G, entsteht durch das EU-Roaming kein automatischer Anspruch auf 5G.

Unsere Checkliste für den nächsten Urlaub

Wenn das Smartphone im EU-Ausland Empfang zeigt, aber mobiles Internet nicht richtig funktioniert, würden wir heute in dieser Reihenfolge vorgehen:

  1. Mobile Daten kontrollieren – Sind mobile Daten überhaupt aktiviert?
  2. Datenroaming kontrollieren – Ohne aktiviertes Datenroaming funktioniert die mobile Datenverbindung über ein ausländisches Netz normalerweise nicht.
  3. Flugmodus für etwa 30 Sekunden aktivieren – Danach ausschalten und die erneute Netzanmeldung abwarten.
  4. Automatische Netzwahl deaktivieren – Nach verfügbaren Mobilfunknetzen suchen lassen.
  5. Andere Netze ausprobieren – Nicht nur beim automatisch ausgewählten Anbieter bleiben.
  6. 4G/LTE testen – Bei instabiler Verbindung 5G testweise deaktivieren beziehungsweise LTE oder 4G bevorzugen.
  7. Tarif überprüfen – Ist Roaming freigeschaltet? Welches Datenvolumen steht im Ausland zur Verfügung? Umfasst der Tarif 4G oder 5G?
  8. Erst danach weitere Einstellungen verändern – APN-Einstellungen oder das vollständige Zurücksetzen der Netzwerkeinstellungen würden wir nicht als ersten Schritt empfehlen. Solche Änderungen sind bei einem Gerät, das sich grundsätzlich ins ausländische Mobilfunknetz einbuchen kann, meist nicht der sinnvollste erste Ansatz.

Häufige Fragen zu mobilen Daten im Ausland

Warum funktioniert mobiles Internet im Ausland nicht, obwohl Empfang angezeigt wird?

Eine erfolgreiche Einbuchung in ein Mobilfunknetz bedeutet nicht automatisch, dass dieses Netz am jeweiligen Standort auch eine gute Datenverbindung bietet. Lokale Netzabdeckung, Netzauslastung und die Roamingvereinbarungen des eigenen Anbieters spielen eine wichtige Rolle. Oft hilft es, die automatische Netzwahl auszuschalten und ein anderes verfügbares Netz manuell auszuprobieren.

Wie schalte ich die automatische Netzwahl beim Roaming aus?

Beim iPhone unter Einstellungen, Mobilfunk, SIM beziehungsweise verwendete Leitung, Netzauswahl die Option Automatisch ausschalten. Bei Samsung-Galaxy-Geräten unter Einstellungen, Verbindungen, Mobile Netzwerke, Netzbetreiber. Anschließend sucht das Smartphone nach allen verfügbaren Netzen, was etwas dauern kann.

Hilft es, von 5G auf 4G umzustellen?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Bei uns blieb die Verbindung nach der Umstellung auf 4G beziehungsweise LTE stabiler, insbesondere bei einem Tarif ohne 5G. Ein sicherer Beleg, dass 5G die Ursache war, ist das aber nicht, da Smartphones normalerweise selbstständig zwischen verfügbaren Mobilfunkgenerationen wechseln. Als Test bei Verbindungsabbrüchen ist die Umstellung trotzdem sinnvoll.

Habe ich beim EU-Roaming Anspruch auf dieselbe Geschwindigkeit wie zu Hause?

Innerhalb der EU gilt „Roam like at home”: Ein Tarif mit 4G soll auch im EU-Ausland grundsätzlich eine vergleichbare Mobilfunkgeneration bieten, ein Tarif ohne 5G begründet aber keinen Anspruch auf 5G beim Roaming. Die tatsächliche Geschwindigkeit hängt zusätzlich von lokaler Netzabdeckung und Auslastung ab und kann von der gewohnten Geschwindigkeit zu Hause abweichen.

Was wir aus unserem Frankreich-Urlaub gelernt haben

Das Ärgerliche an unserem Problem war nicht, dass überhaupt kein Mobilfunknetz vorhanden war. Die Smartphones zeigten schließlich Empfang an.

Deshalb sucht man den Fehler zunächst an völlig anderen Stellen.

Bei uns war der entscheidende Schritt, die automatische Netzwahl auszuschalten und einen anderen französischen Netzbetreiber auszuprobieren. Während die Datenverbindung im automatisch ausgewählten Netz kaum nutzbar war, funktionierte sie nach dem manuellen Wechsel zu Free beziehungsweise SFR.

Bei den Smartphones unserer Kinder brachte zusätzlich die Beschränkung auf 4G eine stabile Verbindung.

Seitdem gehört für uns bei Problemen mit mobilen Daten im Ausland die manuelle Netzwahl zu den ersten Dingen, die wir ausprobieren.

Denn manchmal ist das Problem nicht: „Ich habe kein Netz.”

Sondern: „Mein Smartphone hat automatisch ein Netz gewählt, das für meine Datenverbindung gerade nicht gut funktioniert.”

Und auf diese Möglichkeit muss man tatsächlich erst einmal kommen.


Hinweis: Dieser Beitrag beschreibt unsere eigene Erfahrung mit deutschen Mobilfunkverträgen beim Roaming in Frankreich. Verfügbare Netze, Einstellungen und Roamingbedingungen unterscheiden sich je nach Mobilfunkanbieter, Tarif, Smartphone und Aufenthaltsort. Vor Reisen außerhalb der EU sollten unbedingt die Roamingkosten des eigenen Anbieters geprüft werden.